Sonntag, 1. Dezember 2019

ULTRA TRAIL CAPE TOWN










Jeder der mich kennt, der weis, dass ich nicht nur gerne am Mountainbike sitze, sondern speziell im Winter auch gerne laufen oder schwimmen oder Langlaufen oder eine Ski-Tour gehe.. Leute die das wissen, die wissen auch, dass ich seit einiger Zeit Bewerbe liebe die etwas länger sind als der Durchschnitt.. Als ich heuer in Norwegen am Flughafen saß und auf einmal ein Mail von einer SPORTOGRAF Mitarbeiterin kam, schrieb ich ihr zurück, dass ich mich unbedingt wieder einmal treffen möchte mit ihr, denn Dank Selma arbeite ich seit über 4 Jahren mit den besten SPORTOGRAFen der Welt zusammen und komme so immer wieder zu genialen Veranstaltungen.. Als ich dann als Antwort bekam: „Komm doch Ende November nach Südafrika, wir haben dort ein cooles Event, ich fotografiere und du kannst verdienten Urlaub machen.“ Sofort suchte ich im Internet nach der Veranstaltung und sah, dass es dort 4 verschiedene Strecken zum Laufen gab: 21, 35, 65 und 100 Kilometer.. Zu diesen Zeitpunkt dürfte ich geistig nicht ganz bei mir gewesen sein und so schrieb ich spontan zurück: „Passt perfekt, ich komme – aber nur wenn du mir einen Startplatz für den 100 Kilometer Lauf organisieren kannst“ Als dann zwei Tage später die nächste Mail mit: „Startplatz ist organisiert, ich freue mich auf dich!“ kam, konnte ich nicht mehr aus und mit jeden Tag der diesen Event näher rücken lies wurde mir bewusster, dass dies etwas werden könnte, was ich vielleicht nicht schaffen kann.. Zum ersten Mal seit 2015 (damals startete ich zum ersten mal auf der 210Km + 7149Hm Strecke der Salzkammergut Trophy) war ich richtig nervös und hatte Angst vor dem Bewerb.. DANKE liebe Selma, dass du mich wieder einmal in so eine Situation gebracht hast, DANKE für alles was du bisher für mich gemacht hast, ohne dich wäre ich vermutlich jetzt nicht da wo ich bin und diesen 100 Kilometer Lauf widme ich nur DIR!!




Am Mittwoch war es schließlich so weit, die viel zu kurze Vorbereitungszeit nach der Bike-Saison war vorbei und um 23 Uhr hob mein Flieger pünktlich in Wien ab.. Am nächsten Tag um 14 Uhr landete ich auch schon wieder, nach einen kurzen Zwischenstopp in Äthopien, ganz sicher in Kapstadt.. Mit dem Taxi ging es in die Unterkunft und sofort zur Startnummernabholung.. Danach gab es noch ein gutes Abendessen und es ging ab in`s Bett.. Der Freitag war dann überhaupt nicht lustig, ich spürte, dass es schön langsam ernst wird und ich hatte über ein paar Dinge noch keine Klarheit: alte/neue Schuhe, mit/ohne Stöcke – also Sachen die bei dieser Distanz nicht sooo unwichtig sind.. Jedoch verging mit der Vorbereitung meiner Verpflegung, ich musste alles selbst mitnehmen da ich keine Betreuer hatte, und dem einstudieren des Höhenprofils die Zeit so schnell, dass auch der Freitag bald vorbei war.. Da der Start am Samstag bereits um 4 Uhr erfolgte, mein Wecker deshalb um 2 Uhr läutete, war die Nacht sowieso kurz – mit den vielen Gedanken im Kopf wurde sie noch kürzer, ein wenig konnte ich dann trotzdem schlafen.. ;)




Samstag 2 Uhr, der Wecker läutet und mein Pyjama-Oberteil war leicht nass im Nacken – ich dürfte in der Nacht schon kurz vorgeschwitzt haben.. Sofort machte ich mir ein kleines Frühstück, telefonierte noch kurz mit meiner Freundin Kathi die sich extra den Wecker stellte und dann machte ich mich auch schon auf den Weg zum Start..




Pünktlich um 4 Uhr erfolgte schließlich der Startschuss und 328 Sportler aus der ganzen Welt machten sich auf den Weg die 100 Kilometer mit 4300 Höhenmeter zu bezwingen.. Endlich keine Gedanken mehr im Kopf wie es wird, jetzt musste ich nur noch laufen.. Und eines muss ich gleich zu Beginn los werden, egal wie anspruchsvoll, hart und unlustig dieser Lauf mit jeden weiteren Kilometer wurde, ich bin unendlich froh, dass ich gestern mit dabei war und werde die Bilder in meinen Kopf von der einzigartigen Landschaft, den wunderschönen Buchten und den Ausblicken von den Berggipfeln NIE WIEDER VERGESSEN.. Mein Plan war es, die ersten 30 Kilometer möglichst „gemütlich“ zu laufen, dass bedeutet für mich einfach, dass ich jederzeit schneller laufen hätte können ohne große Probleme und an diesen Plan hielt ich mich auch brav.. Die ersten Highlights kamen bereits nach 10 Kilometer als wir auf den SIGNAL HILL liefen und bei Kilometer 27 Standen wir auch schon am Wahrzeichen von Kapstadt, dem TABLE MOUNTAIN.. Der Aufstieg zum Signal Hill in der Nacht mit den Lichtern der Stadt und der Ausblick am Table Mountain – einfach unbeschreiblich.. Als ich dann bei Kilometer 37 den ersten Zeit-Checkpoint um genau eine Stunde unterbot, wusste ich noch immer nicht, ob ich es bis in`s Ziel schaffen werde.. Kilometer für Kilometer versuchte ich einfach so gut es ging zu genießen und mich auf ein paar Punkte zu konzentrieren.. Dieser Lauf ist nämlich nicht nur extrem hart, man hat auch „nur“ 17 Stunden Zeit dafür – bei den meisten gleichwertigen Events in Europa hat man mindestens 24 Stunden Zeit für diese Distanz.. Als beim bergablaufen vom Table Mountain auf einmal das linke Knie zwickte, dachte ich mir kurz, wenn das so weiter geht, dann sehe ich das Ziel nicht.. Die einzigartigen Trails, die wunderschöne Natur, die unendlich freundlichen Helfer in den Labstationen, die netten Läufer aus der ganzen Welt, einzigartige Ausblicke und vieles mehr ließen mich jedoch mit meinen ON Running Schuhen laufen wie auf Wolken und so hatte ich die ersten 60 Kilometer in 9 Stunden absolviert.. Jetzt wusste ich zum ersten Mal, wenn nichts passiert, dann sollte ich es in`s Ziel schaffen – weil 40 Kilometer in 8 Stunden schaffe ich mit meinen Kopf immer, egal wie sehr ich am Ende bin.. Diese Tatsache beflügelte mich wieder für`s Finale.. 20 Kilometer vor dem Ziel hatte ich dann den ersten richtigen Einbruch, wir hatten den ganzen Tag Temperaturen um die 25 Grad, also etwas wärmer als zu Hause und mein Trinken im Rucksack ging mir aus.. Gott sei Dank hatte ich nur noch 4 Kilometer bis zur nächsten Labe, auch wenn mir diese 4 fast wie 14 vorkamen, und dort füllte ich alle Speicher wieder voll auf.. Die letzten 15 Kilometer von der Universität von Kapstadt Richtung Ziel entlang vom Table Mountain waren schlussendlich noch einmal ein Traum.. Meine Beine drehten sich wieder halbwegs gut und ich konnte noch einmal alles geben – die letzten zwei bis drei Stunden des Rennens hatte ich immer ein kleines Ziel vor den Augen, die Medaille für alle Teilnehmer die den Lauf in unter 15 Stunden schaffen.. Ohne diesen „wichtigen Traum“ im Kopf wären die letzten Kilometer bestimmt noch einmal schwieriger gewesen, so gab ich jedoch noch einmal alles was ich hatte und erreichte schließlich überglücklich und komplett erschöpft nach 14 Stunden und 35 Minuten das Ziel in Kapstadt..




Mit dieser Zeit wurde ich bester Österreicher und erreichte den 62. Platz von 328 Startern aus der ganzen Welt – von denen nur 177 das Ziel sahen..




In den letzten Jahren machte ich schon einige verrückte Sachen, aber dieser Lauf war mit Abstand das härteste was ich bisher gemacht habe..




DANKE an alle meine Sponsoren und Freunde die hinter mir stehen, ohne euch wäre das alles nicht möglich!!!




Jetzt ist aber Schluss für 2019 und ich freue mich schon voll auf 2020 :)







ride on Lukas

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen